Aber, ich bin doch ein Mensch?!

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Diese fragende Feststellung traf mein 3-jähriger vor kurzem. Ich fand diese Aussage äußerst interessant. Ja, wahrscheinlich fragen sich nun einige unter Euch: „Was ist daran bitte interessant?“ Ich finde diesen Satz so interessant, weil ich ihn eigentlich nirgends sonst höre.

Ich beginne aber anders. Wie ist dieser Satz überhaupt entstanden? Wir waren auf einem kleinen Fest und meine Söhne spielten vergnügt mit anderen Kids. Ludo kam dann nach einer Weile zu mir angerannt und erzählte mir, dass die anderen Kinder ihn fragten, wie er denn hieße. „Ich habe mich nicht getraut es zu sagen, Mama.“ Ich erklärte ihm, dass er sich ruhig trauen und sagen könnte: „Ich bin Ludo.“

„Aber, ich bin doch ein Mensch?!“, entgegnete er mir hier, mit einem fragenden Blick zum dahin schmelzen. Ich war perplex und wusste nicht so recht, was ich sagen sollte, also stimmte ich ihm schlicht zu. „Ja, du bist ein Mensch, mein Schatz.“

Mit einem zufriedenen Kopfnicken sauste er wieder davon, sicherlich ohne den anderen von „seinem Namen“ zu berichten.

Ein Kind nimmt sich selbst noch so viel anders wahr, als einer von uns „Erwachsenen“. Wie oft machen wir uns bewusst, dass wir Menschen sind? Nicht nur Personen (lat. Persona = Maske), die jede für sich angestrengt im Laufrad des Systems vor sich hin rennt, auf der Stelle verbleibend und oft ohne Ziele? Ja, viel zu selten. Aber es tut gut, sich immer wieder mal zu erinnern, wer man ist. Fakt. Ich benötige dies immer wieder. In Phasen, in denen ich wieder mal verwirrt meinen Kopf in meine Hände lege und die Welt nicht verstehe, mit ihren „Möchtegern-Chef’s“ und deren Entscheidungen, denen wir angeblich irgendwie alle Folge zu leisten haben, ob es uns gut tut, oder nicht. In diesen Momenten tut es mir gut, zu besinnen, dass wir alle Menschen sind, egal welche Zahlen auf den Kontoauszügen stehen, egal ob mit Sakko oder in Lumpen, egal ob Geschäftsführer oder Hausfrau. Wir sind Menschen, die alle ein Recht darauf haben, hier zu sein und die Welt zu entdecken.

Ich erblicke das Licht der Welt und meine Eltern bekommen eine Geburtsurkunde ausgehändigt, auf der alle wichtigen Daten notiert sind, mitsamt „genehmigten“ Namen, der mich ab diesem Moment mein Leben lang begleitet und ohne diesen – in Verbindung mit einem Ausweis – mir nicht allzu viel ermöglicht wird. Was so normal erscheint, finde ich immer wieder verwirrend. Diese große weite Welt „dürfte“ ich ohne Ausweis nicht bereisen. Warum? Wem gehört sie, dass man das so festlegen kann? Wem gehöre ich, dass man mir Grenzen vorschreiben kann, bis wohin ich gehen darf und wohin nicht?

Ich bin hier.

Ich bin ein Mensch.

Aber nur unter bestimmten Bedingungen?

 

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