Ich bin ich…

41527-Buddha-meditation-spiritual-Buddhism.png

… diesen Satz habe ich vor kurzem in einem Video über eine freie Schule aufgeschnappt. Er kam aus dem Mund eines kleinen Mädchens und ist mir bisher im Sinn geblieben. Drei Worte mit unheimlich viel Bedeutung. Ein starker Satz. Ist es doch den wenigsten heute noch klar, wer sie selbst eigentlich sind. Was sie sind. Was sie erreichen wollen.

Jeden Tag versuche ich meinen Kindern die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu finden. Beziehungsweise sich selbst nicht zu verlieren. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse im heutigen Alltag nicht untergehen zu lassen. Ich versuche ihre Neugierde mit Informationen zu stillen und ihren Interessen nachzugehen. Zu fördern, was sie lieben. Sicher ist das oft nicht einfach, doch es ist unheimlich wichtig für die Kleinen. Ich möchte sie in keine Richtung drängen, sondern sie frei entscheiden lassen, was in welchem Moment für ihr Glücklichsein wichtig ist. So unterschiedlich die Charaktere meiner Kinder sind, so unterschiedlich sind natürlich auch in gewissen Situationen die Interessen. Und das ist auch gut so. Ist die Neugierde für eine Sache erst einmal geweckt, lernen die Kleinen unheimlich schnell und vor allem mit großer Freude. Ich bin dann immer wieder erstaunt darüber, wie leicht ein Mensch lernt, wenn er mit Freude lernt.

Wie selten ist das heute noch der Fall? Mit Freude lernen? Gelernt wird in der heutigen Zeit eigentlich nur noch mit Druck. Zu viel Stoff, zur falschen Zeit, beim falschen Kind und häufig für später ziemlich unrelevant. Klingt knallhart, ist aber oft der Fall. Mit Mühe und Not versuchen wir unseren Kindern zu verklickern was der Lehrer von ihnen möchte. Wissen auf die Frage, warum sie das nun lernen müssen, eigentlich keine Antwort. Es muss eben. Weil es eben alle tun. Hier wird selten individuell betrachtet. Die Klassenzimmer sind vollgestopft bis oben hin und den Kindern rauchen die Köpfe, weil vielleicht 80% der Anwesenden gerade überhaupt kein Interesse am gelehrten Stoff haben. Pausen zu selten und zu kurz.

Warum ist das so? Wenn wir die Natur betrachten, erkennen wir doch eigentlich, dass alles versucht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Alles versucht möglichst schnell den energieärmsten Zustand zu erreichen. So wie der Wassertropfen sich rund formt sobald er kann. Ein Zustand mit der geringsten Oberflächenspannung. Genau gegenteilig gehen wir vor, indem wir unsere Kinder unter Druck und Stress dazu bringen, bestmögliche Noten zu schreiben, oder das zu tun was wir eben gerade von ihnen möchten, am besten genauso gut wie vielleicht andere Kinder gleichen Alters. Bewertung. Eine unschöne Sache wie ich finde. Wir sind alle so unterschiedlich, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen. Wieso sollten wir das bewerten? Wer setzt hier die Norm? Und warum?

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie oft ich niedergeschlagen zu Hause in meinem Zimmer saß, weil ich schlechter als andere bewertet wurde. Ich konnte eben beim Sportfest nicht so schnell rennen wie alle anderen, oder so weit werfen wie alle anderen. Wurde vom Lehrer aufgefordert es besser zu machen. Konnte ich aber nicht. Wollte ich nicht. Mich hat nicht interessiert den Ball über irgendeine Markierung zu werfen. Das hat wirklich etwas in mir angerichtet. Ich dachte nicht gut genug zu sein, etwas verkehrt zu machen. Ich liebte hingegen den Kunstunterricht. Ich freute mich jedes Mal darauf. Aber wir hatten leider nur einmal die Woche Kunst. War anscheinend nicht so wichtig wie Mathematik oder Sozialkunde. Zumindest für diejenigen, die unseren Stundenplan erstellt haben. Für mich war es äußerst wichtig, hat nur leider keinen interessiert. Für mich war es das absolute Highlight. Durfte ich malen war ich glücklich. Und geht es uns nicht allen darum? Glücklich zu sein?

Lernen MÜSSEN. Das funktioniert selten. Hausaufgaben gibts all inclusive mit nach Hause. Freizeit kommt oft zu kurz. Und das schon in der Kindheit. Wenn hier keine Freizeit, wann dann? Jetzt wird Lernen doof, weil ich es muss, dann, wenn ich vielleicht lieber etwas anderes täte.

Kinder sind von Natur aus neugierig. Was sie lernen möchten, werden sie lernen, keine Sorge. Die Bedenken, dass ein Kind, welches nicht regelmässig dazu gedrängt wird, zu lernen, eben nichts lernt, sind absolut haltlos.

Meine Kinder haben noch Zeit, bis die Schule ansteht, doch auch jetzt schon kann man erkennen, wie leicht sie lernen, wenn sie lernen wollen. Das fängt ganz banal mit dem Krabbeln an. Das muss ich meinem Schatz nicht beibringen. Es kommt der Punkt, da will es das und dann lernt es das. So auch mit dem Laufen. Später Tiernamen lernen oder dergleichen. Irgendwann wollte Ludo mal wissen, welche Farbe wie im englischen genannt wird. Ich wusste nicht warum, aber das brauchte ich ja auch nicht. Es war ihm anscheinend wichtig, also habe ich sie ihm genannt. Und das hat er aufgesogen wie ein Schwamm. Er wollte das. Also lernte er es. Nicht weil er musste.

So kann man das ewig weiter führen. Ich könnte hier so viel über das Lernen schreiben, was mir aktuell durch den Kopf geht, doch das war mit diesem Beitrag ursprünglich gar nicht meine Absicht.

Alles was ich damit sagen möchte ist, den Kleinsten zuzuhören und sie ihren Weg gehen zu lassen. Sie nicht in eine Richtung zu lenken, die vorgegeben wird, sondern ihre individuelle Reise anzunehmen. Keinen Druck auf diese wundervollen Wesen auszuüben, sondern sie mit gewünschter Unterstützung gedeihen zu lassen. Das oberste Ziel sollte sein, glücklich zu sein. Immer. Überall.

Und Dein Glück ist nicht gleich mein Glück.

Ich bin ich. So wie ich bin. Und genau so bin ich richtig.

Madeleine

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s