Das Chaos mit der Geburtsurkunde

Die / Der ein oder andere hat vielleicht meinen Beitrag über unsere Hausgeburt bzw. Alleingeburt gelesen und ist eventuell interessiert daran wie es bürokratisch im Anschluss weiter ging.

Chaos. Im Nachhinein lachen wir darüber, aber damals habe ich wirklich daran gezweifelt, ob es in Deutschland überhaupt noch möglich ist zu leben, wenn nicht alles dokumentiert, belegt, unterschrieben und abgeheftet ist. Schlichtes menschliches Dasein? Noch nie gehört…

Nachdem Sedrik bei uns angekommen war, gingen wir selbstverständlich ganz brav gleich die Tage darauf zum Amt und wollten den kleinen Kerl anmelden. Man verlangte gängiger weiße eine Geburtsbescheinigung von uns, die wir natürlich nicht hatten. „Wie, Sie waren alleine?“ Bestätigen konnten die Geburt „nur“ die Kindesmutter, der Kindesvater und die Oma. Das war nicht ausreichend.

„Wer sagt uns, dass Sie dieses Kind nicht entführt haben?“

Das haut dich erstmal um sag ich euch. Jede Mami weiß, wie viele intensive Gefühle Frau nach einer Geburt in sich trägt, doch selten bekommt man es mit dem Vorwurf zu tun, dass Baby könnte nicht das Eigene sein. Wir machten dem Beamten freundlich klar, dass nun mal kein Arzt und auch keine Hebamme anwesend waren, die diese Geburt bescheinigen könnten. Gingen anschließend sogar auf Paragraphen ein:

anmeldung-alleingeburt
Paragraph 33

Unter Punkt 4 sehr interessant geschrieben:

„…soweit sie bei der Geburt zugegen waren.“

Das waren sie nun mal nicht. Fertig. Aus.

Wir waren leicht genervt. Schlugen vor, sie könnten sich ja die Fotos ansehen oder mir zusehen wie ich Sedrik stille. War natürlich nicht möglich. Es wurde uns erklärt, es zähle als Betrug, wenn sie das jetzt einfach in den Computer so eingeben würden. Also fragten wir, welche Möglichkeiten wir denn hatten. Daraufhin wurde uns empfohlen, Ärzte und Hebammen in der Region abzuklappern, und einen zu finden, welcher uns einfach mal eben eine Geburtsbescheinigung unterschreibt!!! Eine Geburt bescheinigt, bei der sie oder er gar nicht anwesend waren.

So viel zum Thema Betrug! Wir sollten betrügen, andere zum betrügen anstiften, damit das liebe Amt seinen Zettel bekommt und der Computer zufrieden ist. Ich war so unfassbar schockiert und wütend, könnt ihr euch nicht vorstellen.

Tage vergingen… Mein Mann telefonierte fleißig herum, mit sämtlichen Hebammen, suchte nach Rat, nach ähnlichen Fällen. Natürlich zählte unsere Art der Geburt nicht zu den häufigsten, dennoch gibt es genug Ämter, die da nicht ein so großes Chaos veranstalten. Wir sollten es mal mit dem Mutterpass versuchen. Der Mutterpass würde ja auch die Schwangerschaft bescheinigen.

Gesagt getan. Aber wäre ja zu einfach gewesen *lach*. Es bestand ja nun die Möglichkeit, dass ich das Kind nach der letzten Untersuchung verloren hätte.

Neuer Versuch. Mutterpass und Untersuchungsheft des Kleinen. Es gab noch ein paar Diskussionen, wir waren kurz davor gerichtlich weiter zu verfahren, am Ende mit DNA-Test und weiß der Geier.

Dann die Erlösung! Die Daten aus Mutterpass und U-Heft genügten plötzlich und wir erhielten nach etwa 4 Wochen unsere Geburtsurkunde für den kleinen Sedrik.

Doch mit dem Betrug war es noch nicht ganz zu Ende. Da das Amt seine eigenen Fristen mit der Ausstellung der Urkunde überschritten hatte, wurde das Ausstellungsdatum mal eben um 3 Wochen zurück datiert.

So passt es im Computer.

Da fehlen mir die Worte. Schade, dass es kaum noch möglich ist, ein Baby aus eigener Kraft und in Ruhe zur Welt zu bringen, ohne dass einem danach erstmal Steine in den Weg gelegt werden. Dennoch: Jetzt hat das liebe Amt auch einen solchen „Fall“ erlebt und ich hoffe es kann mit den weiteren besser umgehen. Wenn ja, hat es doch was gebracht.

Und für diejenigen unter euch, die eine ähnliche Geburt anstreben, will ich mit diesem Artikel sagen: Lasst euch nicht unterkriegen, steht zu euch, zum Ablauf und der Natürlichkeit der Geburt und egal was unternommen wird, zum Schluss habt ihr immer noch eure DNA. Der Natur sei’s gedankt *lach*.

Allerliebste Grüße!

Madeleine

 

 

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