Unsere Hausgeburt 2015

 

fotor_146498310369189

Heute möchte ich Euch ein bisschen über unsere Hausgeburt erzählen.

Vorgeschichte

Während ich mich bei Ludo noch gängigerweise im Krankenhaus hab aufnehmen lassen, war mir bei Sedrik vom ersten Moment an klar, dass bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft dies nicht der Fall sein wird. Hier war mein Wunsch und mein Verlangen nach etwas mehr Intimität und Natürlichkeit während der Geburt einfach zu groß. Zudem wünschte ich mir mehr Ruhe und Geborgenheit, und das ist kaum irgendwo besser zu finden, als Zuhause. In gewohnter Umgebung. Vielen macht dieser Gedanke zu Hause zu entbinden Angst. Diese Angst ist jedoch völlig unbegründet und ich möchte Euch heute einfach meine Erfahrung ein wenig näher bringen. Vielleicht kann ich so der ein oder anderen werdenden Mama den letzten Funken Mut geben, um ihre Geburt nach Ihren Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Auch denjenigen Mamas, die eventuell weitere Geburten im Krankenhaus geplant haben, möchte ich mit geben: Steht zu Euch, euren Wünschen, eurem Körper und achtet auf euer Wohlbefinden. Es ist eure Geburt! Ich verstehe bei vielen den Wunsch nach ärztlicher „Sicherheit“ im Notfall. Aber lasst euch bitte nicht „herum kommandieren“. Keiner weiß besser was euch während der Geburt gut tut, als ihr selbst! Dafür müsst ihr euch dessen auch wieder bewusst werden. Zu schnell wird hier die Verantwortung für den eigenen Körper einfach abgegeben. Man legt sich auf den Rücken und wartet auf Anweisung. Da ich bei meiner ersten Geburt auch im Krankenhaus war, habe ich beide Varianten vor Augen. Viele Anweisungen, die ich brav befolgt habe, haben mir alles andere als gut getan, geschweige denn gefallen. Also:

Für mich war diese Geburt in Eigenregie das beste was ich mir unter einer Geburt vorstellen kann. Eigenregie… ja…denn wir waren auch ohne die Begleitung einer Hebamme. Es war also eine geplante Alleingeburt.

Sobald ich diesen Satz ausspreche, starren mich große Augen an. Verstehe ich sogar, denn in den letzten Jahrzehnten ist uns Frauen von der Gesellschaft ja quasi intensiv klar gemacht worden, dass wir als Schwangere automatisch Patientin sind und eine Geburt immer ein Risiko darstellt und streng überwacht werden sollte. Falsch! Gerade diese strenge Überwachung sorgt oft für Probleme.

Jede Frau ist dazu geschaffen aus ihrer eigenen Kraft und Verantwortung heraus ein Kind zur Welt zu bringen!

Bevor ich jetzt noch ein bisschen von uns erzähle will ich aber auch noch etwas betonen. Nicht für jede Frau ist es das optimale Zuhause zu entbinden. Welchen Geburtsort man wählt ist natürlich abhängig von vielen Umständen und auf die Gesundheit der Mutter und des Kindes kommt es an. Niemals würde ich hier etwas riskieren, nur um eben meine Ruhe zu haben. Das Wohl meines Babys hat für mich IMMER oberste Priorität. Ich möchte, dass ihr das wisst, bevor ihr weiter lest. Ich will Euch aber aufzeigen, dass es diese Möglichkeit gibt. Der kulturelle Trott hält uns oft gefangen und das muss nicht sein.

Unsere erste Hausgeburt

Es war der 16. November 2015 gegen 17.00 Uhr als mir beim ersten ziehen klar wurde, dass ich unser Baby schon in wenigen Stunden im Arm halten werde.

Am Mittag hatte ich noch die damals reguläre Untersuchung bei meinem Frauenarzt, denn ich befand mich zwei Tage über dem von ihm errechneten Termin. Wie erwartet teilte er mir mit, dass ich bei 2cm Muttermund war (wie erwartet, da ich die zwei Nächte zuvor immer mal wieder eine leichte Wehe hatte und merkte dass diese etwas bewirkten). Sedrik und ich waren bei bester Gesundheit und so sollte es dann also los gehen.

Die Wehen begannen mit einem Abstand von noch 12 Minuten und ließen sich prima veratmen. Während mein Mann und Ludo noch etwas aßen, gestaltete ich die Wohnung gemütlich, zündete Kerzen an und war einfach nur ganz bei mir. Es war so entspannend, ruhig und Vorfreude lag in der Luft. Nach und nach wurden die Abstände kürzer und die Wehen intensiver. Die meiste Zeit stand ich und ließ mich auf jede Welle ein, die da kam. Ich lies sie einfach zu, lies den Schmerz zu, nahm ihn an. Er würde mir ja mein Baby näher bringen. Gegen 20:30 Uhr kam meine Mutter bei uns an. Ludo war mittlerweile im Bett und ich habe sie Wochen zuvor gefragt, ob sie dabei sein möchte. Zudem hätte sie für Ludo da sein können, wäre er wach geworden. Doch mein Schatz schlief wie ein Stein, die ganze Nacht.

Meine Mutter war erstaunt über die gemütliche Atmosphäre und meine Ausgeglichenheit. Trotz allem versprühte sie (ich fand das total süß) noch etwas Engelsspray in der Wohnung und stellte auch noch ein paar Kerzen dazu.

Ich weiß den Wehenabstand nicht mehr, aber gegen 21:30 Uhr hatte ich den Wunsch in meinen Geburtspool im Badezimmer zu steigen. Nachdem Christian das Wasser wohl temperiert eingelassen hatte, tat ich das auch. Es war herrlich. Vielen Frauen ist das dann zu warm oder sie fühlen sich im Wasser nicht wohl. Für mich war es genau richtig. Das warme Wasser entspannte zusätzlich, senkte den Wehenschmerz und nahm das Gewicht vom Bauch.

So saßen wir zu dritt im Bad, es war ja zum Glück ein großes Badezimmer *lach* und waren gespannt auf jede Wehe, die da kam. Meine Mutter sah ab und an auf die Uhr um mir einen groben Abstand zu nennen. Immer wieder war Platz für einen Witz und herzliches Lachen. Es war wirklich schön. Keine Sekunde war Angst im Raum. Ich hatte so ein tiefes Urvertrauen, unbeschreiblich.

Ich war bestimmt schon eine Stunde in meinem Pool am planschen als schließlich der Drang einsetzte, bei jeder weiteren Welle etwas mit zu schieben. Hin und wieder tastete ich mich ab und konnte feststellen, dass ich komplett eröffnet war und Sedrik’s Kopf fest im Becken lag. Wie wir kurze Zeit später feststellen konnten, hatte Sedrik sich eine äußerst stabile Fruchtblase zugelegt, die ihn noch ein Weilchen zurück hielt. Und dann kam die Übergangsphase. Erkennbar daran, dass Frau denkt sie kann nicht mehr. Man möchte eigentlich aufstehen, sich auf die Couch legen und sagen „für heute reicht’s“. Befindet sie sich in dieser Phase ist es meist nicht mehr lange hin. Das wusste ich auch und so hab ich auch gleich wieder alle Kraft eingesetzt. Das musste ich auch, denn da war noch die Fruchtblase. Und es war etwa 23:50, da gab es gefühlt einen Knall und sie platzte unter einer kräftigen Wehe. Mein Mann war sogar kurz erschrocken. Ich erklärte ihm was das war, dass alles gut ist und schon ging es weiter.

Ab diesem Moment ging es wirklich flott. Ich spürte wie Sedrik Stück für Stück näher kam und ich war überwältigt davon meine Kraft zu spüren. Ganz vorsichtig lies ich seine Köpflein kommen. Aufatmen und gleichzeitig Hochspannung bei Ehemann und wieder werdender Oma. Im Gegensatz zum Krankenhaus, wo ich hier zum ungewollten Pressen zwischen den Wehen angeleitet wurde, wartete ich hier ab. Ich streichelte Sedrik’s Köpflein und spürte wie er sich leicht drehte. Und dann kam sie, die letzte Presswehe. Kräftig und sachte zugleich kamen so Schultern und der Rest zum Vorschein. Ich schob mein Baby in meine Hände… Atemberaubend!

23:56 Uhr und da war er! Ich betrachtete ihn eine Sekunde unter Wasser und holte ihn dann an die Luft. Dieser Moment war unbeschreiblich… Ich legte mir mein Baby auf die Brust und wir bedeckten ihn mit Handtüchern, damit ihm nicht kalt wurde. Er war top fit. Neugierig betrachteten wir auch die Nabelschnur. Sie pulsierte und wir warteten, kuschelten. Ein letzter aber wichtiger Blutaustausch fand hier statt und als kein Pulsieren mehr zu spüren war, durchtrennen wir diese. Da kein Blut mehr hindurch floss, wäre auch kein Abbinden mehr nötig gewesen, trotz allem klemmten wir zu Sedrik’s Seite hin ab. Ich legte ihn an die Brust und er trank. Nach dieser Kuschelzeit übergab ich den kleinen an meinen Mann. Er und meine Mutter wogen ihn und nahmen Maß. 4210g und 56 cm. Ich war baff, wurde er laut Ultraschalluntersuchung doch weit darunter eingestuft. Putzmunter war er und nach dem Kürzen der Nabelschnur, wurde er gewickelt und angezogen.

Ich beschäftigte mich derweil mit recht starken Nachwehen, die nach einer Weile noch die Plazenta absolut schmerzfrei zu mir brachten (auch hier im Gegensatz zum Krankenhaus, wo sie mir unbeschreiblich schmerzhaft rausgeknetet wurde – Credé-Handgriff ). Ich betrachtete sie von allen Seiten, prüfte sie auf Vollständigkeit und wir entsorgten sie – ganz unromantisch.

Anschließend kuschelten wir uns auf die Couch und während der kleine trank, genossen wir den Moment und ich trank zur Stärkung ein Karamalz (das ich schon als Kind gern mochte). So verging noch einige Zeit und gegen 04:30 Uhr beschlossen wir dann doch mal schlafen zu gehen.

Sehr gerne denke ich noch an den Morgen, als dann Ludo wach wurde und von meiner Mutter zu uns ins Schlafzimmer gebracht wurde. Dieser erst verdutzte Blick („Wo kommt das Baby auf einmal her?“) und dann das Lächeln und die Freude! Da waren wir nun, glücklich zu viert. Natürlich riefen wir noch den Kinderarzt an und vereinbarten einen Termin für die U2.

Ich hoffe, ich konnte einigen hier einen Einblick geben, wie selbstbestimmt und risikolos eine Geburt ablaufen kann, wenn man dies so möchte und die Gesundheit es zulässt. Auch mit der Begleitung einer Hebamme oder auch nur die Rufbereitschaft für den Fall, kann dies eine Geburt zu einem wunderbaren Erlebnis in absoluter Freiheit und Liebe machen.

Geht Euren Weg, niemand geht ihn für Euch! Glaubt an Euch, an das Wunder in Euch und lasst euch von eurem Herzen leiten! Ganz egal, wie ihr Euch entscheidet! ♥

Madeleine

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s